Meerrettich

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Frisch geerntete Krenwurzel vor Krenblättern
Frisch geerntete
Krenwurzel vor Krenblättern
  • Familie: Kreuzblütengewächse
  • Lateinischer Name: Armoracia rusticana
  • Andere Namen: Meerrettich (D), Bauernsenf (Schweiz), Cran (Fr.), Chreno (Griech.), Barbaforte, Cren (Ital.), Wasabidaikon (Jap.), Mierikswortel (NL), Hrean (Rum.), Khryan (Bulg.), Hren (Slov.), Křen (Tschech.), Khren (Russ.),
  • Aussehen: Ausdauernde, winterharte Staude aus deren bis zu 40cm langen und 6cm dicken stangenförmigen Wurzeln eine aufrecht stehende Blattrosette mit bis zu 100cm langen Blättern sprießt. Weiße, unfruchtbare Blütenstände von Mai bis Juli.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Geschichte

Der Kren ist in Osteuropa beheimatet (in den Steppen des östlichen Russlands und der Ukraine wächst noch die Wildform dieser Pflanze) und wurde schon in der Antike ( Cato) und im Mittelalter (John Gerard) wegen seiner Heilkräfte sehr geschätzt. Erst Ende des 16. Jh. verwendete man ihn auch in der Küche. Sehr begehrt war der Meerrettich auch bei den Seeleuten zur Skorbut-Vorbeugung. Heute wird er überall in Mittel- und Osteuropa angebaut, für den Verkauf vor allem in Ungarn. Verwildert kommt er auch in Mitteleuropa häufig vor.

Kren wächst im Tiroler Rasen ...
Kren wächst im Tiroler Rasen ...
... genauso gut wie in Pepis Garten in Honolulu!
... genauso gut wie in Pepis Garten in Honolulu!
Hübsche, aber unfruchtbare Krenblüte
Hübsche, aber unfruchtbare Krenblüte

Kultur und Vermehrung

Ansprüche
Halbschattige Lage, nahrhafter, sandig-lehmiger Boden, keine Staunässe; auf sauren oder mageren Böden wächst er schwächer, wird er besonders scharf; Winterschutz ist nicht nötig!
Gute Nachbarn: Spinat, Zwiebeln, Knoblauch, Minze, Kerbel, Lavendel, Kartoffeln
Schlechte Nachbarn: Alle lieben Verwandten wie Kohl, Kresse, Radieschen, weiters Gurken und Bohnen.

Vermehrung und Ernte

Kren wird während der frostfreien Zeit, am günstigsten im Frühjahr, durch Rhizome (beim Kren "Fechser" genannt) vermehrt.

  1. Die Krenwurzel trägt Seitentriebe, die sogenannten „Fechser“. Die kräftigsten, geraden Fechser werden zur Kultur verwendet, um später wieder schöne Stangen ernten zu können.
  2. Sie werden an einem Wurzeltag zwischen März und Mai von der Mutterwurzel bzw. von der „Vaterwurzel“ ;-) abgetrennt.
  3. Anschließend müssen bei den Fechsern alle Würzelchen bis auf die untersten vorsichtig entfernt werden. Ein grobes Tuch leistet dabei gute Dienste!
  4. Einzeln und im Abstand eines Männerfußes werden sie nun in einer Reihe so tief in die gelockerte Erde gesteckt, dass das obere Ende, der „Kopf“, fingerdick von ihr bedeckt ist. Lange Fechser schräg einstecken! Im gewerblichen Anbau wird der Kren wie Spargel in Erdwällen gezogen.
  5. Das Angießen nicht vergessen!
  6. Als Fleißaufgabe kann man im Juni bei bedecktem Himmel den Wurzelhals des ausgetriebenen Fechsers vorsichtig freilegen und von den neu entstandenen Seitenwürzelchen befreien. Die Pflanze behält nur die unteren Wurzeln und bildet so eine besonders kompakte Stange.
  7. Mit reifem Kompost düngen (oder gleich schon neben den Komposthaufen pflanzen)!
  8. Geerntet, das heißt, ausgegraben und verwendet kann die frische Krenwurzel nach einem Jahr in jedem Monat werden, dessen Namen ein r enthält! Aber auch während der übrigen Monate sind geringe Entnahmen möglich.
  9. Diese – hoffentlich prächtige - Wurzel trägt wieder Fechser, mit denen man eine Pflanzung vornehmen könnte ...Achtung: Wucherneigung, wenn bei der Ernte Wurzelreste in der Erde bleiben!
Krensuche im Garten der Franziskaner in Reutte/Tirol
Krensuche im Garten der Franziskaner in Reutte/Tirol
Fündig geworden! Eine prächtige Krenwurzel wird gezogen.
Fündig geworden! Eine prächtige Krenwurzel wird gezogen.
Krenwurzel mit schönem Fechser für eine neue Pflanzung!
Krenwurzel mit schönem Fechser für eine neue Pflanzung!

Lagerung Ungeschält in ein feuchtes Küchenpapier oder Tuch gewickelt bleibt Kren im Gemüsefach des Kühlschrankes mehrere Wochen frisch. Bereits geschält hält er sich in der Tiefkühltruhe ein halbes Jahr und lässt sich auch tiefgefroren gut reiben. Die ungeschälten Stangen können auch entweder in einer Kiste in Erde oder Sand eingelegt (=“eingeschlagen“) im frostfreien, kühlen Keller gelagert werden oder sie werden in einem frostsicheren Gewächshaus eingeschlagen.

Schädlinge und Krankheiten Trotz seines chemischen Kampfstoffes gegen Fressfeinde, der Schärfe, wird er gelegentlich von Schnecken, Raupen des Kohlweißlings und dem Erdfloh und dessen kleinen Raupen, die Löcher in die Blätter und Gänge durch die Wurzeln fressen, befallen.
Abhilfe: Schnecken und Raupen absammeln; Mischkultur mit Spinat hilft den Befall mit Erdflöhen zu verhindern. Sollten sie dennoch ihr Unwesen treiben, dann mit Holunderblättern mulchen und den Boden feucht halten (Da werden sich die Schnecken freuen!?), mit Rainfarn-, Beifuß- oder Wermutbrühe spritzen. Sollte den Tierlein der Appetit dann noch nicht vergangen sein und sie sind noch nicht auf Kresse und Radieschen ausgewichen, dann hilft nur noch Spritzen mit Niemöl oder mit einem Pyrethrumpräparat.
Anm.: Aus der Sicht der Pflanze zählt auch der Mensch zu ihren Fressfeinden, gegen die sie sich vergeblich wehrt! ;-)

Heilwirkung auf Pflanzen

Kren ist pilzabwehrend und wirkt gut gegen Pilzerkrankungen wie Kartoffelfäule und Monilia. Er sollte bereits vorbeugend zwischen oder rund um die Kartoffeln und Obstbäume gepflanzt werden und bei bedecktem Himmel als unverdünnte Brühe in die Obstbaum- und/oder Kartoffelblüte gespritzt werden: 300g zerkleinerte Blätter und Wurzeln in ein Tuch so einbinden, dass sie darin locker Platz haben und in 10l Wasser, dem 1 Esslöffel Essig zugesetzt wurde, 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend sofort spritzen!

Heilwirkung auf Menschen

„Das Äußere einer Pflanze ist nur die Hälfte ihrer Wirklichkeit.“ (Goethe) Der scharfe und würzige Geschmack entsteht durch die ätherischen Öle, insbesondere durch die Senföle, die erst beim Zerkleinern und Reiben aktiviert werden. Gerade diese ätherischen Öle, die sich schon nach 10 bis 20 Minuten verflüchtigen, wirken appetitanregend, verdauungsfördernd, antibiotisch, haut- und schleimhautreizend.
Weitere Inhaltsstoffe sind Vitamin C (114 mg/100 g Frischgewicht!), B1, B2, Niacin, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor.


Nebenwirkungen und Vorsichtsmassnahmen:

  • Bei Kindern unter 3 Jahren und in der Schwangerschaft nicht anwenden!
  • Bei den Anwendungsvorschlägen dieser Seite handelt es sich um Erfahrungen aus der Volksmedizin! Anwendung in Eigenverantwortung!


Volksmedizinische Anwendungen

  • Kren wird innerlich und äußerlich angewendet und wirkt - in der richtigen Dosis - blutkreislaufanregend, Husten und Schleim lösend, Bakterien tötend, verdauungsfördernd, erwärmend und entzündungshemmend!
  • Kren nicht verwenden bei Magen- oder Darmgeschwüren, entzündlichen Darmerkrankungen, bei Schilddrüsenfehlfunktionen, bei akuten oder chronischen Entzündungen der Nieren!
  • Bei Kindern unter vier Jahren nicht verwenden!
  • Auf beschädigte Haut nicht auflegen!
  • Lege keine Krenkompresse im Gesichtsbereich auf! Dies ist wegen der guten reflektorischen Wirkung vom Nacken aus nicht nötig und könnte, falls ein wenig Kren in die Augen gelangen würde, schlimme Folgen haben.

Innerlich angewendet wirk Kren
Blutkreislauf anregend, hustenlösend, verdauungsfördernd, erwärmend, Viren und Bakterien tötend.
Tagesdosis: 20 - 30g frische, geriebene Wurzel
Bei Erkältung hilft folgendes Rezept: In einem Schraubglas 2 Esslöffel frisch geriebenen Kren mit 2 Esslöffel geriebenen Zwiebeln, 1 Teelöffel Zitronensaft und 2 Esslöffel echten Bienenhonig (ev. mit etwas Propolis) verrühren. Gut verschlossen 2 Stunden stehen lassen. Umrühren, durch ein Teesieb in ein weiteres Schraubglas gießen, dabei mit einem Löffel das Kren-Zwiebelmus auspressen. Von diesem Sirup jede Stunde 1 Teelöffel voll im Mund bewegen und langsam schlucken. In den Zwischenzeiten soll das Glas verschlossen bleiben.

Halbinnerlich bei Schnupfen:
Etwas Kren reiben und dabei die entstehenden ätherischen Öle intensiv durch die Nase einatmen. Anschließend auf die Nase außen und innen ein wenig unparfümiertes Öl (Hanföl, Mandelöl, Jojobaöl, Avocadoöl, Olivenöl) auftragen.

Äußerlich angewendet wirkt Kren
als Auflage bzw. Kompresse durch Hautreizung binnen weniger Minuten stark erwärmend, Muskel entspannend, entzündungshemmend, Schleim lösend und Blutkreislauf anregend. Wer ihn das erste Mal ausprobiert, wird von der starken, positiven Wirkung überrascht sein! Verwende ihn äußerlich als

  • Nackenkompresse
    • bei Kopfschmerzen verbunden mit steifem Genick
    • bei Kopfschmerzen durch Verkühlung, Grippe
    • bei Kieferhöhlen-, Stirnhöhlenentzündung
  • als Unterbauch-Kompresse bei Blasenentzündung
  • als Rückenkompresse bei Hexenschuss!


Anleitung für eine Kompresse mit Kren

Material:

  • 1Blatt einer Küchenpapier,
  • 2 Esslöffel frischer, ungeschälter, im Mixer zerkleinerter Kren - Bei dieser Art der Zerkleinerung brennt er nicht so in den Augen! Zur Not kann auch Kren aus dem Glas verwendet werden, selbstverständlich soll er keine chemischen Zusätze aufweisen.
  • dünner Schal
  • Olivenöl oder Mandelöl oder Hanföl, Jojobaöl, Avocadoöl

Durchführung:

  • Den gemixten oder geriebenen Kren als ein 1cm hohes Häufchen auf die Mitte des Küchenpapierblattes geben,
  • die Papierränder so über den Kren legen, dass ein flaches Päckchen entsteht,
  • dieses Päckchen auf die gewünschte Stelle legen,
  • mit dem Schal befestigen,
  • 5 bis maximal 10 Minuten einwirken lassen. Achte auf dein individuelles Hitzeempfinden, damit du dir keine Hautverbrennung zuziehst!
  • Nach der Abnahme der Krenkompresse die Haut nicht abwaschen, sondern einölen. Das Öl hält die Wärme länger in dem behandelten Organ und pflegt die Haut.
  • Wenn keine Hautrötung mehr besteht, darf die Behandlung wiederholt werden.



Aus all diesen Ausführungen über den Kren, ergibt sich das Bild einer Pflanze, die im Menschen nicht in erster Linie einen Fressfeind sieht, sondern ihm besonders in schweren, trüben Zeiten hilft wieder Wurzeln zu schlagen, Boden zu spüren, Freude und Witz zu empfinden: Kopfschmerz, Kreuzschmerz, Blasenschmerz, Schnupfen, Übelkeit ade! Der Blutdruck steigt, die Freude siegt! Ein Dankesgruß dem Kren, der eben wieder übermütig Kälte, Feuchte und Dunkelheit durchbricht!


Kren-Küche

  einjährige, verzehrbereite Krenwurzel
einjährige, verzehrbereite Krenwurzel

Grundsätzliches:

  • Nur einjährige Wurzeln verwenden, alte sind holzig !
  • Unverletzter Kren strömt so gut wie kein Aroma aus. Es entwickelt sich erst beim Schneiden, Reißen, Reiben oder Mixen: Brennend scharf, prickelnd, Senf ähnlich, Tränen reizend! Dieses Aroma ist allerdings nicht stabil, sondern verflüchtigt sich nach zehn bis zwanzig Minuten, hält sich aber in leicht gesäuertem Milieu länger. Mische also den frisch geriebenen Kren sofort entweder mit einigen Tropfen Zitronensaft oder mit etwas Essig, saurem Wein, Creme Fraiche oder Buttermilch!
  • Ganz wichtig ist, dass man den Kren erst kurz vor dem Servieren den Speisen zufügt, damit er möglichst wenig von seinem Aroma verliert! Durch Kochen wird das Krenaroma zerstört! Es schmeckt dann grauslig bitter.
  • Eingelegter Kren ist zwar kommerziell erhältlich, aber echte Krenliebhaber wissen, dass er der frischen Wurzel bei weitem unterlegen ist!
  • Bleibt nur noch die Frage "Wie krieg ich die Wurzel klein?"

Mit scheibchenweise Essen, wie es für Harte beim Ingwer noch möglich ist, geht da gar nix! Hustenanfall, verbrannte Schleimhaut im Rachen und Magen wären die üblen Folgen.
Ich kenne 3 Möglichkeiten:

  1. Die antike: Reiße die Wurzel auf einem Nagelbrettchen durch Auf- und Abschieben in kleine Fasern!
  2. Die gebräuchliche: Reibe sie wie Karotten auf einem feinen Reibeisen!
  3. Die effektivste: Wurzel in ca. würfelzuckergroße Stücke schneiden und in einem geschlossenen Mixer zerkleinern!


Zu welchen Gerichten passt Kren eigentlich?

  • Pur, gerieben als Beilage zu Schinken, Würstchen, Rindfleisch, Schweinsbraten, Gegrilltem, zum Wurstbrot, zum Schmalzbrot, zur geräucherten Forelle.
  • Er würzt aber auch Kartoffelsalat, Rohnen, Spinat, Wirsing, hart gekochte Eier, Tomaten…, ja sogar Spargel!
  • Auch warmen Soßen verleiht er ihren charakteristischen Geschmack, z.B. dem in Österreich beliebten "Semmelkren".
  • Bei kalten Krensoßen, die herrlich schmecken (können ;-)) ist der Fantasie keine Grenze gesetzt: Man entdeckt welche, die zu einer Scheibe Schwarzbrot passen, andere passen zu Gemüse (Kartoffeln, Fisolen, Saubohnen ....), Tafelspitz, Wild ...



Rezepte, Rezepte, Rezepte, Rezepte, Rezepte, Rezepte, Rezepte


Kren, frisch geriebener bzw. gerissener

Kartoffelsalat mit Kren

Spargel, überbacken

Oberskren, österreichisch

Oberskren, deutsche Art, „Sahnemeerrettich“

Apfelkren

Semmelkren

Krensuppe

Topfenkren, kalorienarm

Lachsröllchen, Forellenröllchen

Grüne Soße „Was das Herz begehrt“

Persönliche Werkzeuge